TLP-5.557 üSBZ der Logik: „Die Logik darf mit ihrer Anwendung nicht kollidieren"
TLP-6.123 üSBZ der logischen Gesetze: „Die logischen Gesetze dürfen nicht selbst wieder logischen Gesetzen unterstehen"
Die Selbstbezüglichkeitsverbote in 2.172f., TLP-4.041 und TLP-4.12 sind durch eine räumliche Metapher plausibel gemacht: das Bild, die mathematische Abbildung, der Satz kann sich nicht außerhalb seiner Form der Darstellung, außerhalb seiner mathematischen Mannigfaltigkeit, außerhalb der Logik stellen.
Klar formuliert erscheint dieses Verbot der sozusagen indirekten und nicht immer offenkundigen, prinzipiellen Selbstbezüglichkeit im folgenden Abschnitt aber: aus dem Moore-Diktat:
In order that you should have a language which can express or say everything that can be said, this language must have certain ((formal)) properties; and when this is the case, that it has them can no longer be said in that language or any language (NM, S. 227)
Dies ist also ein noch radikaleres Selbstbezüglichkeitsverbot als jenes, welches Wittgenstein als den einzig positiven Ertrag der Typentheorie sieht (in TLP-3.332), und zwar erscheint es bezogen auf die Sprache überhaupt: Sprache kann in diesem einen Punkt nicht über sich selbst sprechen, wenn sie die wesentlichen formalen Eigenschaften und Bedingungen besprechen will, die allein sie befähigen, überhaupt Sinn auszudrücken und zwar: weder „in that language" noch in „any language" mit dem unterstrichenen Ausschluß dieser letzten Möglichkeit nimmt Wittgenstein bereits im MOORE-DIKTAT kritischnegativ jene Lösungsmöglichkeit vorweg, welche Russell ca. S Jahre später in seiner Einleitung zum TLP angesichts dieser Schwierigkeiten entworfen hat6, nämlich (in der Terminologie des später entwickelten Hierarchie der Metasprachen): in einer Metasprache über die (0bjekt-)Sprache zu sprechen, um dann wieder in einer Metametasprache über die Metasprache zu sprechen usw. und ad infinitum. Nach Wittgenstein kann man über die wesentlichen formalen Eigenschaften der Sprache überhaupt nicht sprechen, weder in der betreffenden Sprache selbst noch in einer anderen.