Als Beispiel der ersten Art erörtert Waismann die Antinomie der Menge aller Mengen, während er „die zweite Sorte von Antinomien...durch den 'Lügner' dargestellt' sieht. (ebd. S. 139)
Die Mittel der symbolischen Logik wären im Beispiel der ersten Art der Mengenbegriff, die außerlogischen Begriffe in der zweiten Art waren die Begriffe „falsch" und „wahr" Der angezogene Unterschied ist jedoch nicht ganz so „scharf". einerseits kann „ Menge „ genauso wie „falsch" ein Begriff der Wortsprache sein, „Menge" ist nur innerhalb der Mengentheorie bzw. Logik syntaktisch präzisiert - und „falsch" kann genauso präzisiert werden; andererseits ist dieser vermeintliche Unterschied sogar irrelevant, wenn man „Menge" und „falsch" beide als formale Begriffe sieht: „Menge" ist ein formalsyntaktischer, „falsch" ein formalpragmatischer Begriff. Als solche gehören beide zu einer Logik, deren Ziel es ist, formale Eigenschaften als Bedingungen des Sinnes eines Satzes zu formalisieren, d.h. transparent zu machen.
Eine ähnliche Unterscheidung trifft Bochenski in seinem Grundriß der Logistik zwischen „logischen" und „metalogischen" Antinomien (eine Unterscheidung, die auf Peano bzw. Ramsay zurückgeht): „die logische Paradoxie ergibt sich auch dann, wenn die Suppositionsregeln genau beachtet werden", während die metalogische sich „aus der Nichtbeachtung verschiedener Suppositionsarten ergibt" (Bochenski (5), ebd., S. 75). Ein Beispiel einer logischen Paradoxie ist „die Klasse aller Klassen, die sich nicht selbst enthalten", ein Beispiel einer metalogischen ist „die Paradoxie des Lügners" (ebd., S. 75)
Hier scheint der Unterschied etwas präziser formuliert zu sein und zwar mit Hilfe des Suppositionsbegriffes. Bochenski unterscheidet (wie üblich und gemäß der scholastischen Iradition) zwischen „formeller" und „materieller" Supposition. Die formelle Supposition: „Der Ausdruck X bezeichnet etwas, das von X und allen mit X isomorphen Ausdrücken verschieden ist" (ebd., S. 22). Die materielle Supposition ist dann gegeben, wenn ein Ausdruck X „als Symbol für den Ausdruck X und alle Ausdrücke, die mit X isomorph sind" steht (ebd.), wobei „isomorph" nach Bochenski zwei Ausdrücke sind, „wenn sie die gleiche graphische Gestalt haben." (ebd., S. 18). Die betreffende Suppositionsregel wäre: Alle Ausdrücke in materieller Supposition sind in Anführungszeichen zu setzen, um sie von jenen in formeller Supposition verschieden zu kennzeichnen.
Die Passage rekonstruiert Waismanns Zweiteilung (Mengenparadoxien vs. Lügner) und bestreitet deren Schärfe: „Menge“ wie „falsch“ lassen sich als formale Begriffe fassen—erstere formal-syntaktisch, letztere formal-pragmatisch. Damit wird die Differenz „logisch/außerlogisch“ nivelliert; Ziel ist eine Logik, die Bedingungen des Sinns expliziert—eine klar traktatianische Stoßrichtung. Anschließend wird Bochenskis Unterscheidung (logische vs. metalogische Antinomien) als präziser erklärt, weil sie über Suppositionsregeln (Gebrauch vs. Erwähnung, Anführungszeichen) operiert. Das rückt die Paradoxien als Folge grammatischer Verwechslungen in den Blick.
Zur Position gegenüber Wittgenstein: Die Argumentation ist wittgensteinianisch-therapeutisch. Paradoxien entspringen Regel- und Kategorienkonflikten (v.a. Gebrauch/Erwähnung), nicht „außerlogischen“ Inhalten; sie werden durch Klärung der Grammatik bzw. Notation aufgelöst, nicht durch ontologische Thesen oder Metasprachenhierarchien. Zugleich verbindet der Text das frühe Projekt (Formalisierung der Sinnbedingungen) mit einem späteren Fokus auf pragmatische Regeln des Sprachgebrauchs.
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