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Sprechen über Sprache im Tractatus
28 S. 20

Das Ziel dieses Abschnittes soll ein weiterer kurzer Seitenblick auf die Antinomien-Problematik sein und zwar besonders unter dem Blickwinkel der Traktat-Unterscheidung zwischen „formalen" und „eigentlichen Begriffen" und deren Relevanz: wenn diese Unterscheidung ist m.E. ein denkwürdiger Ansatz für eine Erklärung und Lösung des sprachlichen (besser: formalsprachlichen) Phänomens der Antinomien.

Als erstes ist darin ein geeigneter Anhaltspunkt für eine Systematisierung der Antinomien zu finden (und eine solche ist ja immer einer der ersten Schritte im Zuge einer Erklärung und Lösung eines Problems), Entgegen der üblichen Auffassung soll hier die These vertreten werden, dass alle Antinomien so etwas wie ein gemeinsames Entstehungsschema haben: durch die Verwechslung formaler und eigentlicher Begriffe bzw. Eigenschaften und dadurch, dass ein formaler Begriff unter sich selbst fällt, wird ein Konflikt heraufbeschworen zwischen zwei (per definitionem sich ausschließenden) formalen Eigenschaften bezüglich jenes selbstbezüglichen Begriffes. Im Hinblick auf eine mögliche Systematik der Antinomien heißt dies: je nachdem, um welche formalen Eigenschaften es in der fraglichen Antinomie geht und welcher Sinndimension diese angehören, kann man die Antinomien einteilen in: formalsemantische, formalsyntaktisch und formalpragmatische.

In üblichen Systematisierungen hingegen werden die Antinomien sozusagen in ernst zu nehmende, weil die Konsistenz der Logik gefährdende) Antinomien und in Bagatell-Antinomien (weil „nur" in der Umgangssprache vorkommende) eingeteilt. Waismann z.B. schreibt:

„Diese ((die Antinomien)) zerfallen, wie wir heute wissen, in zwei scharf geschiedene Gruppen: in Antinomien, die sich mit den Mitteln der symbolischen Logik darstellen lassen, die also in einem formalisierten System auftreten würden, wenn nicht Vorsorge gegen sie getroffen wäre und in solche, zu deren Formulierung gewisse außerlogische Begriffe der Wortsprache benötigt werden." (Waismann (30), 137)

🤖 ChatGPT-Analyse 💬 2 25.09.2026 22:16

Der Autor nutzt die Tractatus-Unterscheidung zwischen „formalen“ und „eigentlichen“ Begriffen als Schlüssel zur Antinomienproblematik. Kernthese: Alle Antinomien entstehen aus der Verwechslung beider Typen; wenn ein formaler Begriff (illegitim) unter sich selbst fällt, kollidieren zwei sich ausschließende formale Eigenschaften. Daraus leitet er eine einheitliche Systematik ab (formalsemantisch, -syntaktisch, -pragmatisch je nach Sinndimension) und wendet sich gegen die übliche Zweiteilung in „ernste“ logische versus „bagatellhafte“ alltagssprachliche Antinomien (gegen Waismann), da beide demselben Fehltyp entspringen.

Zur Position zu Wittgenstein: Das Argument folgt dem frühen Wittgenstein: Formale Begriffe sind keine Gegenstände, fallen unter nichts, „zeigen“ sich nur; Antinomien resultieren aus grammatischen Kategorienfehlern und werden diagnostisch aufgelöst statt technisch „behoben“. Zugleich erweitert der Autor Wittgenstein systematisch (v.a. durch die pragmatische Sinndimension), was über den engen Rahmen des Tractatus hinausgeht, aber dessen Verwechslungsdiagnose konsequent ausbaut.

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