In der Umgangssprache kommt es ungemein häufig vor, dass dasselbe Wort auf verschiedene Art und Weise bezeichnet – also verschiedenen Symbolen angehört –, oder, dass zwei Wörter, die auf verschiedene Art und Weise bezeichnen, äusserlich in der gleichen Weise im Satze angewandt werden.
So erscheint das Wort „ist“ als Kopula, als Gleichheitszeichen und als Ausdruck der Existenz; „existieren“ als intransitives Zeitwort wie „gehen“; „identisch“ als Eigenschaftswort; wir reden von Etwas, aber auch davon, dass etwas geschieht.
(Im Satze „Grün ist grün“ – wo das erste Wort ein Personenname, das letzte ein Eigenschaftswort ist – haben diese Worte nicht einfach verschiedene Bedeutung, sondern es sind verschiedene Symbole.)
Die Stelle unterscheidet Zeichen und Symbol: Dasselbe lautliche/graphische Zeichen kann verschiedene logische Funktionen haben. Umgangssprache verschleiert die logische Form, weil gleiche Wortformen heterogene Symbole markieren. Das „ist“ vereinigt in der Oberfläche Kopula (Prädikation), Identität (=) und Existenz (Quantifikation) – logisch ganz Verschiedenes. Ebenso ist „existieren“ kein Prädikat wie „gehen“, und „identisch“ keine gewöhnliche Eigenschaft. Im Satz „Grün ist grün“ ist das erste „Grün“ ein Eigenname, das zweite ein Prädikat; nicht bloß Mehrdeutigkeit, sondern unterschiedliche Symbolik. Philosophisch wichtig: Sinn eines Satzes hängt von seiner logischen Form; diese muss durch eine ideale Notation sichtbar gemacht werden. Viele Scheinprobleme entstehen aus dem Vermengen solcher Funktionen. Die Aufgabe der Philosophie ist Klärung der logischen Syntax, sodass die Abbildung der Welt durch Sätze (Bildtheorie) eindeutig hervortritt.
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