Dieses Argument beruht auf der Voraussetzung, dass eine künstliche Sprache jenseits aller Sprachpragmatik liegen muss: aber gerade die Tatsache, dass in einer solchen Zeichen für Symbole (und d.h. für bestimmte Zwecke) konstruiert werden, dass insofern eine Wahlfreiheit besteht bzgl. der zu berücksichtigenden Zwecke (dass z.B. der Zweck des Negationszeichens so bestimmt wird, dass eine doppelte Negation eine Affirmation ergibt, und nicht eine bloße Verstärkung der Negation usw.), - diese Tatsache bringt das sprachpragmatische Moment mehr zum Vorschein als in der natürlichen Sprache, wo das Symbol (als Zweck) mit einer Lebensweltverwoben ist in einer untrennbaren Einheit, die vorderhand weder Anlass noch Gelegenheit zu Reflexion bietet (diese Einheit der natürlichen Sprache wird tatsächlich erst u.a. reflektierbar vor dem Hintergrund der Konstruierbarkeit von künstlichen Sprachen). In den anderen Einwänden beruft sich Thiele62 auf folgende Stellen aus den Spätschriften: „...(D.h. die Sprache ist nicht nur ein Mittel zur Mitteilung.)" (Z § 329) und: „Die Sprache ist für uns nicht als Einrichtung definiert, die einen bestimmten Zweck erfüllt." (Z § 322) Thiele meint nun, dass Wittgenstein „sogar noch in den 'Zetteln' die pragmatische Sprachauffassung ein schränkt."63 M.E. sind diese Stellen wohl Belege gegen eine Sprache-als-Mittel Pragmatik á la Hülser, nicht aber gegen eine jede pragmatische Interpretation des TLP.
Denn der gewichtigste Einwand gegen die Hülser-Interpretation ist, dass sie ein anderes Mittel-Zweck Schema in der Sprachkonzeption des TLP unterläuft: aus TLP-3.32ff. und TLP-3.34ff. geht nämlich hervor, dass „Zeichen" sich zu „Symbol" verhält wie ein Mittel zu dessen Zweck;64 ganz klar ausgesprochen ist dies in TLP-5.47321: „...Zeichen, die Einen Zweck erfüllen, sind logisch äquivalent, Zeichen, die keinen Zweck erfüllen, logisch bedeutungslos."