Ludwig Wittgenstein
S. 118

Erstens mit der Unterscheidung zwischen „Zeichen" und „Symbol" bzw. „Satzzeichen" und „Satz (als Symbol)". Das erste Distinktum ist jeweils das „sinnlich Wahrnehmbare" (TLP-3.1f.) des zweiten. Das Zeichen kann verschiedenartig sein, z.B. „Laut- oder Schriftzeichen" (TLP-3.321), es ist zufällig und willkürlich: nur über diese zufälligen, eigentlichen Eigenschaften der Sprache (als Zeichenkorpus) kann TLP-gemäß sinnvoll gesprochen werden.

Der Unterscheidung Zeichen versus Symbol entspricht die Unterscheidung Oberflächen- versus Tiefengrammatik, traditionelle versus logische (universale) Grammatik. Von der Oberflächengrammatik kann man nicht auf die Tiefengrammatik schließen: „Die Sprache verkleidet den Gedanken. Und zwar so, dass man nach der äußeren Form des Kleides nicht auf die Form des bekleideten Gedankens schließen kann; weil die äußere Form des Kleides nach ganz anderen Zwecken gebildet ist, als danach, die Form des Körpers erkennen zu lassen." (TLP-4.002)

Sehr treffend kommt dieser Unterschied zum Ausdruck im Falle des Zeichens „ist", hinter dessen „äußerer Form" sich mehrere Symbole verbergen: (1) Zuordnung eines Prädikats: „Fa", (2) Zugehörigkeit eines Elements zu einer α Klasse: „x ε α „, (3) Inklusion einer Klasse in einer anderen: „a ε ß „, (4) Ausdruck der Identität: „x = y", (5) Ausdruck der Existenz: „(Ex) Fx". (vgl. TLP-3.323)

Zweitens mit der Unterscheidung zwischen „wesentlicher" und „zufälliger" Allgemeinheit: aus TLP-6.1231f. geht hervor, dass ein logischer Satz wesentlich allgemeingültig ist, im Unterschied zum sinnvollen Satz (bspw. „Alle Menschen sind sterblich"), der nur zufällig allgemeingültig ist: zufällige Allgemeinheitsbereiche lassen sich als Klassen darstellen, deren Elemente eine bestimmte Eigenschaft haben. Laut TLP-6.031 ist „die Allgemeinheit, welche wir in der Mathematik brauchen, nicht die zufällige", weshalb „die Theorie der Klassen...in der Mathematik ganz überflüssig" ist und d.h., dass das Klasse-Element Schema bei wesentlich allgemeingültigen Eigenschaften (z.B. der Mathematik) nicht angemessen ist. Wird dieser Unterschied zwischen wesentlicher und zufälliger Allgemeinheit nicht beachtet, so treten formale Begriffe als eigentliche Begriffe auf: „Russell z.B. behauptet, 'Individuum' und 'Matrix' seien 'logische Grundbegriffe'.