Ludwig Wittgenstein
S. 191

ad (4): das Zeigen-a als Grundlage der Sinnanalyse. Im TLP scheint die Problematik der logischen Analyse relativ überspielt zu sein (vgl. Kap. 1.01), es wird einfach vorausgesetzt, dass es „eine vollständige Analyse des Satzes" gibt (TLP-3.25): Wie ist aber logische Analyse möglich, wenn sie unabhängig zu sein hat von der Erfahrung, wenn es keine „Evidenz" geben kann. Wittgensteins Vorstellung der logischen Analyse ist stark geprägt vom Paradigma der Russellschen Analyse der Beschreibungsausdrücke: ein komplexer Ausdruck muss so weit analysiert werden, bis man zu Ausdrücken kommt, die unabhängig von einem Satz und eindeutig einen Gegenstand bedeuten, also einfache Zeichen sind (vgl. Kap. 1.1); dieses Paradigma der logischen Analyse sollte auch Anwendung finden . wie hier für den Sinn-semantisch - für den Sinn-syntaktisch, z.B.: Ist „A ist gut" ein Subjekt-Prädikatsatz? (vgl. TB 3.9.14) und für den Sinn-pragmatisch, z.B.: Folgt ein Satz aus einem anderen Satz? (vgl. TB 17.10.14). Alle diese Fragen setzen die Möglichkeit der logischen Analyse voraus. Aber: wenn logische Analyse erfahrungsunabhängig (autark) ist, so steht der Begriff „nicht mehr weiter zerlegbar" „auf dem Index", denn er bezeichnet keine eigentliche, überprüfbare Eigenschaft eines Ausdruckes; genauso stehen jene formalen Begriffe wie „Funktion", „Name" etc., welche nach vollendeter Analyse den Ausdrücken zugeschrieben werden, auf dem Index.287 Also muss sich das, was mit dem formalen Begriff „nicht mehr weiter zerlegbar" ausgedrückt-f werden sollte, zeigen. Die Frage ist jetzt: „Wie aber wird das gezeigt, was wir durch ihn ausdrücken wollen?" (TB 8.10.14) Eine Antwort (und zwar im Hinblick auf die semantische Analyse) gibt Wittgenstein: „Dass ein Satz weiter zerlegbar ist, das zeigt sich, wenn wir ihn durch Definitionen weiter zerlegen." (TB 11.10.14) Ein Satz wird demnach so lange analysiert (in Teilsätze aufgespaltet), bis er einen eindeutigen Sinn zeigt: dass er Sinn zeigt-i, das zeigt-p die sinnvolle Anwendung des Satzes. Mithin ist das Zeigen-p auch das oberste Prinzip, nach dessen Maßgabe logische Analyse zu erfolgen hat. M.a.W.: wenn ein Satz zeigt-p, dass er Sinn zeigt-i, so zeigt-f er sich als Wert von Satzvariablen und zeigt-a, dass er keiner Analyse mehr bedarf.


287 Vgl. TB 8.10.14 - Dort auch: „Man kann natürlich weder von einem Ding noch von einem Komplex sagen, sie seien nicht mehr weiter zerlegbar."