Der zentrale Knotenpunkt im System des TLP ist der Satz: „Nur der Satz hat Sinn; nur im Zusammenhange des Satzes hat ein Name Bedeutung." (TLP-3.3) Die Voraussetzung, dass nicht der Name, sondern nur der Satz sich informativ und kommunikativ auf die Wirklichkeit beziehen kann, dass nicht der Name, sondern der Satz der Prototyp des sprachlichen Weltbezuges ist, hat revolutionäre Konsequenzen für das Paradigma der Sprachphilosophie im System des T: die traditionelle Name-Bedeutung-Gegenstand Figur als vermeintliche Grundfigur des Weltbezuges wird ersetzt durch die Satz-Sinn-Sachverhalt Figur; die traditionelle Bedeutungstheorie wird abgelöst durch Sinnanalyse und Sinntheorie; die Annahme der Satzbestandteile als vom Satz trennbare, selbständig bedeutungstragende Einheiten wird fallengelassen, Satzbestandteile haben nur als Satzvariable Bedeutung; z.B. hat das Prädikat „rot" nur als Satzvariable (-funktion) „x ist rot" Bedeutung (dasselbe gilt auch für den Namen - vgl. Kap. 1.1 und besonders Kap. 1.21). Ähnliche Konsequenzen gibt es auch für die TLP-Ontologie: ihr Thema ist nicht mehr der Gegenstand, sondern die Tatsache; die herkömmliche Gegenstandsontologie wird abgelöst durch Tatsachenontologie: „Die Welt zerfällt in Tatsachen" (TLP-1.2) - nicht in Gegenstände; „Gegenstand" ist im TLP entweder ein unselbständiger Bestandteil des Sachverhaltes oder aber die selbständige (Bedingung der) Möglichkeit von Sachverhalten (vgl. TLP-2.0122 und im folgenden Kap. 1.3, wo ein zweideutiger Gegenstandsbegriff des TLP angenommen wird).
Insofern trifft die Interpretation von Tugendhat (1976), der zufolge die TLP-Ontologie auf einer „gegenstandstheoretischen Position"43 beruhe, da der Sachverhalt als „zusammengesetzter konkreter Gegenstand"44 dargestellt werde, nicht zu. - Der philosophische Hintergrund dieser Interpretation von Tugendhat steht dabei dem TLP paradoxerweise relativ nahe: Tugendhat selbst weist zwar am Ende seines Buches auf den Negationsproblem,-45 TLP hin im Zusammenhang mit dem Bipolaritätsprinzip und dem respektiert aber dabei nicht den TLP als Ursprung einiger seiner Thesen: so ist bspw. das Prinzip der Formalisierung als „Reflexion auf die Verwendungsweise einer Art sprachlicher Ausdrücke"46, grundgelegt in TLP-3.341f.; weiters das Programm einer nicht mehr gegenstandsorientierten, sondern durch formale Semantik (Sinntheorie) vermittelten Ontologie47; dann das Konzept der „erhellenden Tautologien"48 gemäß dem Zeigen der Tautologien (vgl. z.B. TLP-6.12); ebenso vernachlässigt wird die Bedeutung des TLP im Hinblick auf den Problemkomplex der singulären Termini, der Prädikate, der Zusammengesetztheit des Satzes usw., zu dem der TLP durch alle (Fehl-) Interpretationen hindurch trotzdem als aktueller Beitrag anzusehen ist (vgl. dazu im folgenden Kap. 1.1 und 1.2f.). Man kann also Tugendhats „Einführung in die sprachanalytische Philosophie" durchaus als Fußnote zum TLP bezeichnen.