Ludwig Wittgenstein
S. 113

In TLP-5.631 wird dargelegt, wie ein empirischer Aufweis des SUBJEKTS scheitern muss: in einer Art Tatsacheninventur (unter dem Titel „Die Welt, wie ich sie vorfand") kann niemals von ihm die Rede. Deshalb gibt es das „denkende, vorstellende, Subjekt" nicht (ebd.), es „gehört nicht zur Welt, sondern es ist eine Grenze der Welt." (TLP-5.632) Nach der Metapher „Gesichtsfeld" = „Welt" und „Auge" = „SUBJEKT" in TLP-5.633f. („nichts am Gesichtsfeld lässt darauf schließen, dass es von einem Auge gesehen wird" - d.h.: nichts an der Welt lässt darauf schließen, dass sie von einem SUBJEKT gedacht, vorgestellt etc. wird) und der Darlegung des prinzipiellen Aspektes dieser These in TLP-5.634 (Erfahrung ist kontingent, niemals a priori: also gibt es kein erfahrbares SUBJEKT), wird in TLP-5.64 die Konsequenz gezogen: „Hier sieht man, dass der Solipsismus, streng durchgeführt, mit dem reinen Realismus zusammenfällt. Das Ich des Solipsismus schrumpft zum ausdehnungslosen Punkt zusammen, und es bleibt die ihm koordinierte Realität." Die strenge Durchführung des Solipsismus meint wohl die strenge Quarantäne des SUBJEKTS in einem erfahrungsfreien Raum: das „Zusammenfallen" resultiert aus der formalen Entsprechung meiner Sprache und meiner Welt; das „Zusammenschrumpfen" erfolgt unter der Perspektive der Nichterfahrbarkeit des SUBJEKTS selbst: damit Erfahrung (Beschreibung) möglich ist, ist das SUBJEKT (als Möglichkeit der Satzhandlung) vorausgesetzt; da das SUBJEKT nicht erfahrbar ist, verschwindet es als Gesamtheit der erfahrbaren (beschreibbaren) Welt.