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Tagebücher 1914–1916
3. 11. 14.

Damit es den negativen Sachverhalt geben kann, muß es das Bild des positiven geben.

Die Kenntnis der darstellenden Relation darf sich ja auch nur auf die Kenntnis der Bestandteile des Sachverhalts gründen!

Könnte man also sagen: Die Kenntnis des Subjekt-Prädikat Satzes und von Subjekt und Prädikat gibt uns die Kenntnis einer internen Relation etc.?

Auch dies ist streng genommen nicht richtig, da wir kein bestimmtes Subjekt oder Prädikat zu kennen brauchen.

Offenbar, daß wir den Elementarsatz als das Bild eines Sachverhalts empfinden. – Wie geht das zu?

Muß nicht die Möglichkeit der darstellenden Beziehung durch den Satz selbst gegeben sein?

Der Satz selber scheidet das mit ihm Kongruierende von dem nicht Kongruierenden.

Zum Beispiel: ist also der Satz gegeben und Kongruenz, dann ist der Satz wahr, wenn der Sachverhalt mit ihm kongruent IST, oder es sind gegeben der Satz und Nicht-Kongruenz, dann ist der Satz wahr, wenn der Sachverhalt mit ihm nicht kongruent ist.

Wie aber wird uns die Kongruenz oder Nicht-Kongruenz oder dergleichen gegeben?

Wie kann mir mitgeteilt werden, wie der Satz darstellt? Oder kann mir das überhaupt nicht gesagt werden? Und wenn dem so ist, kann ich es "wissen"? Wenn es mir gesagt werden sollte, so müßte dies durch einen Satz geschehen; der könnte es aber nur zeigen.

Was gesagt werden kann, kann mir durch einen Satz gesagt werden, also kann nichts, was zum Verständnis aller Sätze nötig ist, gesagt werden.

Jene willkürliche Zuordnung von Zeichen und Bezeichnetem, die die Möglichkeit der Sätze bedingt, und die ich in den ganz allgemeinen Sätzen vermißte, geschieht dort durch die Allgemeinheitsbezeichnung geradeso wie beim Elementarsatz durch Namen (denn die Allgemeinheitsbezeichnung gehört nicht zum Bild). Daher empfand man auch immer, daß die Allgemeinheit ganz wie ein Argument auftritt.

Verneinen kann man nur einen fertigen Satz. (Ähnliches gilt von allen ab-Funktionen.)

Der Satz ist das logische Bild eines Sachverhaltes.

Die Verneinung bezieht sich auf den fertigen Sinn des verneinten Satzes und nicht auf dessen Darstellungsweise.

Wenn ein Bild auf die vorhin erwähnte Weise darstellt was-nicht­-der-Fall-ist, so geschieht dies auch nur dadurch, daß es dasjenige darstellt, das nicht der Fall ist.

Denn das Bild sagt gleichsam: "so ist es nicht", und auf die Frage "wie ist es nicht?" ist eben die Antwort der positive Satz.

Man könnte sagen: Die Verneinung bezieht sich schon auf den logischen Ort, den der verneinte Satz bestimmt.

Nur den festen Grund, auf dem man einmal gestanden ist, nicht verlieren!

Der verneinende Satz bestimmt einen anderen logischen Ort als der verneinte.

Der verneinte Satz zieht nicht nur die Grenzlinie zwischen dem verneinten Gebiet und dem übrigen, sondern er deutet auch schon auf das verneinte Gebiet.

Der verneinende Satz bestimmt seinen logischen Ort mit Hilfe des logischen Ortes des verneinten Satzes. Indem er jenen als den außerhalb diesem liegenden beschreibt.

Der Satz ist wahr, wenn es das gibt, was er vorstellt.

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