Die Logik muss für sich selber sorgen.
Ein mögliches Zeichen muss auch bezeichnen können. Alles was in der Logik möglich ist, ist auch erlaubt. („Sokrates ist identisch“ heisst darum nichts, weil es keine Eigenschaft gibt, die „identisch“ heisst. Der Satz ist unsinnig, weil wir eine willkürliche Bestimmung nicht getroffen haben, aber nicht darum, weil das Symbol an und für sich unerlaubt wäre.)
Wir können uns, in gewissem Sinne, nicht in der Logik irren.
# Interpretation von TLP 5.473
Wittgenstein formuliert hier ein zentrales Prinzip seiner Logikauffassung: Die Logik ist autonom und bedarf keiner externen Rechtfertigung oder Kontrolle – sie „sorgt für sich selbst". Dies bedeutet, dass logische Möglichkeit und sinnvolle Bezeichnung untrennbar verbunden sind: Was als Zeichen logisch möglich ist, muss auch etwas bezeichnen können.
Das Beispiel „Sokrates ist identisch" verdeutlicht die Unterscheidung zwischen Unsinn (Unsinnigkeit) und Ungrammatikalität im engeren Sinne. Der Satz scheitert nicht, weil die Logik ihn verbietet, sondern weil dem Wort „identisch" schlicht keine Bedeutung als Eigenschaft zugewiesen wurde – es fehlt die willkürliche (konventionelle) Festlegung der Zeichenverwendung.
Dies führt zur These, dass wir uns „in der Logik nicht irren" können: Logische Fehler sind letztlich Kategorienfehler der Bezeichnung, nicht Verstöße gegen logische Gesetze selbst. Die Logik bildet damit die transzendentale Bedingung sinnvollen Sprechens – sie ist nicht Gegenstand möglicher Irrtümer, sondern deren Voraussetzung.
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