Der Motor des infiniten Regresses in dieser Variante der Russell- Antinomie ist der Widerspruch zwischen dem, wie ein Satz (Rn) der Regressionsreihe den Ausdruck „K" formalklassifiziert, und dem, wie der Ausdruck „K" dabei fungiert; kurz: der Widerspruch zwischen dem, was ein Satz (Rn) über die formale Eigenschaft von „K" sagt, und dem, was dieser Satz diesbezüglich zeigt. Jeder Satz der Form „K ε K" (also die Sätze (R3), (R5) usw.) sagt, dass „K" eine Klasse ist, und zeigt, dass „K", weil selbstbezüglich, keine Klasse ist; jeder Satz der Form „¬ (K ε K)" (also die Sätze (R4), (R6) usw.) sagt, dass „K" keine Klasse ist, und zeigt, dass „K", weil nicht selbstbezüglich, eine Klasse ist. Dadurch, dass ein Satz dieser Regressionsreihe jeweils das sagt, was ein vorhergehender Satz zeigt, resultiert diese ad infinitum regredierende Oszillation in der Formalklassifikation des formalen Begriffs „K". Jeder Satz „¬ (K ε K)" sagt, was jeder Satz „K ε K" zeigt, nämlich dass „K" sich in „K ε K" selbst enthält, also keine Klasse ist; umgekehrt: jeder Satz „K ε K" sagt; was jeder Satz " ¬ (K ε K)" zeigt, nämlich dass „K" doch eine Klasse ist, weil sich „K" in „¬.(K ε K)" ja nicht selbst enthält.
Die Oszillationsvariante ist m.E. angemessener für eine Charakterisierung der Antinomien als die Kontradiktionsvariante, die üblicherweise als der wesentliche Effekt der Antinomien gesehen wird: diese kommt im Falle der Klassenantinomie dadurch zustande, dass die formale Eigenschaft „sich nicht selbst enthalten" als notwendige Bedingung dafür eingeführt wird, dass ein Ausdruck A eine Klasse ist, also: „A ε K ↔ ¬ (A ε A)", - woraus dann durch Einsetzen von „K" in „A" die handgreifliche Kontradiktion „K ε K ↔ ¬ (K ε K)" resultiert. Daraus ist wohl die Lehre zu ziehen, dass der formale Begriff „K" nicht sinnvoll als Klasse fungieren kann: er zerbricht selbst, wenn er als eigentlicher verwendet wird, an seinem Definitionsmerkmal „¬ (A ε A)", weil er sich, fungiert er als Klasse, ja selbst enthält. Es trifft wohl zu, dass Negation und Selbstbezug im Ausdruck „¬ (A ε A)" notwendige Entstehungsbedingungen dieser Antinomie sind, aber als primär ist zu sehen, dass „¬ (A ε A)" eine formale Eigenschaft ist, welche die Ausdrucksklasse der Klassen definiert, sodass diese Antinomie wesentlich nur auf der Ebene eines formalsprachlichen Metadiskurses entsteht. Dies macht auch ihre prinzipielle Verschiedenheit gegenüber den sog. „paradoxen Definitionen" aus (z.B. der Barbier, der alle jene rasiert, die sich nicht selbst rasieren, und der sich mithin genau dann selbst rasiert, wenn er sich nicht selbst rasiert).
Der Autor deutet die Russell-Antinomie im Licht von Wittgensteins Sage-Zeigen-Unterscheidung: Der eigentliche „Motor" des Widerspruchs sei nicht die logische Kontradiktion selbst, sondern die Oszillation zwischen dem, was ein Satz über den formalen Begriff „K" sagt, und dem, was er zugleich zeigt. Jede Formalklassifikation von „K" wird durch den nächsten Satz konterkariert, der ausspricht, was der vorige nur zeigte – ein infiniter Regress der Selbstkorrektur. Diese „Oszillationsvariante" hält der Autor für angemessener als die übliche „Kontradiktionsvariante", da sie den Kategorienfehler sichtbar macht: „K" könne, weil selbstbezüglich, sinnvoll gar nicht als Klasse fungieren; sein Scheitern liegt in der Vermischung von Objekt- und Metaebene. Damit wird die Antinomie als spezifisch formalsprachliches, dem Sagen/Zeigen-Verhältnis geschuldetes Phänomen ausgewiesen und scharf von bloß paradoxen Definitionen (Barbier-Paradox) abgegrenzt, die keiner solchen Metaebenen-Struktur bedürfen.
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