Was bezeichnen nun die Wörter dieser Sprache? – Was sie bezeichnen, wie soll ich das zeigen, es sei denn in der Art ihres Gebrauchs? Und den haben wir ja beschrieben. Der Ausdruck »dieses Wort bezeichnet das« müßte also ein Teil dieser Beschreibung werden. Oder: die Beschreibung soll auf die Form gebracht werden: »Das Wort .... bezeichnet ....«. Nun, man kann ja die Beschreibung des Gebrauchs des Wortes »Platte« dahin abkürzen, daß man sagt, dieses Wort bezeichne diesen Gegenstand. Das wird man tun, wenn es sich z.B. nurmehr darum handelt, das Mißverständnis zu beseitigen, das Wort »Platte« beziehe sich auf die Bausteinform, die wir tatsächlich »Würfel« nennen, – die Art und Weise dieses ›Bezugs‹ aber, d.h. der Gebrauch dieser Worte im übrigen, bekannt ist. Und ebenso kann man sagen, die Zeichen »a«, »b«, etc. bezeichnen Zahlen; wenn dies etwa das Mißverständnis behebt, »a«, »b«, »c«, spielten in der Sprache die Rolle, die in Wirklichkeit »Würfel«, »Platte«, »Säule«, spielen. Und man kann auch sagen, »c« bezeichne diese Zahl und nicht jene; wenn damit etwa erklärt wird, die Buchstaben seien in der Reihenfolge a, b, c, d, etc. zu verwenden und nicht in der: a, b, d, c. Aber dadurch, daß man so die Beschreibungen des Gebrauchs der Wörter einander anähnelt, kann doch dieser Gebrauch nicht ähnlicher werden! Denn, wie wir sehen, ist er ganz und gar ungleichartig.
§10 weist die Idee zurück, Wörter erhielten ihre Bedeutung primär durch ein Bezeichnen von Gegenständen. Was ein Wort „bezeichnet“ lässt sich nur durch seinen Gebrauch in einer Sprachpraxis zeigen. Formeln vom Typ „X bezeichnet Y“ sind bloß abgekürzte Beschreibungen von Regeln (z.B. einer Reihenfolge a, b, c, d), die Missverständnisse ausräumen sollen; sie stiften keine zusätzliche, verborgene Beziehungsart zwischen Wort und Ding. Dass wir verschiedene Fälle in dieselbe „Bezeichnungsformel“ pressen, macht ihre Verwendungsweisen nicht ähnlicher: die Rollen von „Platte“, „Würfel“, „a“, „b“, „c“ gehören zu ungleichartigen Sprachspielen. Philosophisch wichtig: Bedeutungsfragen sind grammatische Fragen – Klärungen von Gebrauch und Regelhaftigkeit –, nicht Entdeckungen ontischer Korrespondenzen. Damit kritisiert Wittgenstein das augustinische Bild, betont die Pluralität von Sprachspielen und wehrt Essentialismus über „Bedeutung“ ab.
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