Vollständige und unvollständige Abbildung eines Sachverhaltes. (Funktion und Argument wird durch Funktion und Argument abgebildet.)
Der Ausdruck "nicht mehr weiter zerlegbar" ist auch einer der mit "Funktion", "Ding" etc. auf dem Index stehenden; wie aber wird das gezeigt, was wir durch ihn ausdrücken wollen?
(Man kann natürlich weder von einem Ding noch von einem Komplex sagen, sie seien nicht mehr weiter zerlegbar.)
## Analyse
Diese Notiz aus der frühen Entstehungsphase der Bildtheorie (Tractatus-Vorstufe) behandelt drei eng verknüpfte Probleme:
1. Vollständige/unvollständige Abbildung: Wittgenstein denkt über den Isomorphismus zwischen Satz und Sachverhalt nach. Die Parenthese deutet an, dass logische Struktur (Funktion-Argument-Form) selbst durch dieselbe Struktur abgebildet werden muss – ein Vorgriff auf die spätere These, dass die logische Form nicht dargestellt, sondern nur gezeigt werden kann.
2. Der "Index"-Gedanke: Zentral ist hier bereits die Unterscheidung zwischen Sagen und Zeigen. Begriffe wie "Funktion", "Ding" oder "nicht weiter zerlegbar" sind formale Begriffe (später im Tractatus 4.126 systematisiert), die nicht sinnvoll durch Sätze prädiziert werden können, ohne in Unsinn zu verfallen. Sie gehören zur logischen Syntax, nicht zum Inhalt möglicher Aussagen.
3. Die Kritik am naiven Sprechen über "Einfachheit": Die letzte Bemerkung antizipiert das Simple-Objekt-Problem des Tractatus: Weder von einem Ding noch von einem Komplex lässt sich sinnvoll sagen, es sei "unzerlegbar" – dies wäre eine Aussage über die logische Form selbst, die sich nur in der Struktur des Satzes zeigt, nicht aussprechen lässt.
Die Stelle dokumentiert Wittgensteins Ringen mit der Grenze zwischen sagbarem Inhalt und zeigbarer Form – ein Kernmotiv des gesamten Tractatus.
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