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Tractatus Logico-Philosophicus
2.0123

Wenn ich den Gegenstand kenne, so kenne ich auch sämtliche Möglichkeiten seines Vorkommens in Sachverhalten.

(Jede solche Möglichkeit muss in der Natur des Gegenstandes liegen.)

Es kann nicht nachträglich eine neue Möglichkeit gefunden werden.

🤖 Claude-Analyse 11.09.2026 21:09

# Interpretation von 2.0123

Diese Textstelle formuliert eine zentrale These der Wittgensteinschen Ontologie: Die interne Beziehung zwischen einem Gegenstand und seiner logischen Form.

Kernaussage: Einen Gegenstand zu kennen bedeutet nicht bloß, seine empirischen Eigenschaften zu erfassen, sondern seine gesamte logische Kombinationsmöglichkeit mit anderen Gegenständen zu verstehen. Diese Möglichkeiten sind nicht äußerlich hinzugefügt, sondern konstitutiv für das Wesen des Gegenstands selbst.

Philosophischer Kontext: Diese Stelle steht im Zusammenhang mit Wittgensteins Bild-Theorie der Sprache. Gegenstände sind die einfachen, unzerlegbaren Bausteine der Welt (Substanz der Welt, vgl. 2.021). Ihre "Form" ist die Möglichkeit ihres Vorkommens in Sachverhalten (2.0141). Da diese Form a priori feststeht, ist sie nicht empirisch entdeckbar, sondern logisch vorgegeben – daher die Unmöglichkeit nachträglicher Entdeckung neuer Möglichkeiten.

Dies sichert die Bestimmtheit des Sinns: Logik kann nicht durch Erfahrung revidiert werden, da sie die Struktur des Möglichen selbst festlegt, nicht des Tatsächlichen.

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