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Wittgensteins Tractatus und die Selbstbezüglichkeit der Sprache: 1987
229 S. 210

Zu Punkt (1): expliziert man (wie in diesem Buch) den Philosophiebegriff des TLP derart, dass dieser die für den Sprachgebrauch vorausgesetzten, durch Formalisierung zugänglichen Möglichkeiten von Sinn systematisch klar macht, aber nicht ausspricht, dann müsste, soll Verständigung über (Möglichkeit von) Sinn überflüssig sein, irgendetwas an Sprache (als Möglichkeit von Sprache überhaupt) als prinzipiell jedem verfügbar und klar voraus-zusetzen sein, das es nur noch zu zeigen und erläutern gilt. Nur durch diesen Fundamentalismus wäre die Utopie einer überflüssigen Philosophie gestützt. Wo im TLP-System könnte aber dieses Fundamentalprinzip verborgen sein? Sieht man dieses in einer fixen SUBSTANZ, welche so und so viele und nur diese sprachlichen Möglichkeiten (als GEGENSTÄNDE und d.h. fixe Inhalte als Referenzpunkte mit fixen Formen als Bestimmbarkeiten) zur Verfügung stellt, so bestünde die perfekte Sprachkompetenz (im sinntheoretisch relevanten Sinn) darin, diese formalisierend-entformalisierend gebrauchen zu können, die Perfektion derselben wäre durch einen permanenten Klärungsprozess anzustreben; es bedürfte also keiner Debatte über die Möglichkeiten von Sinn, es gäbe keine geschichtliche Innovation sprachlicher Möglichkeiten, da sich diese immer nur im Rekurs auf die SUBSTANZ als sinnvoll ausweisen ließen. Dies wäre ein metaphysischer Ontologismus (Platonismus): gegen eine derartige Interpretationshypothese ist hier der Einwand erhoben worden, dass im Sprachkonzept des TLP der Bestand an GEGENSTÄNDEN als jeweils vom Beschreibungssystem abhängig und diachronisch/synchronisch verschieden anzusehen also sprachpragmatisch relativ ist: welche GEGENSTÄNDE es „gibt", ist im TLP nicht eine Frage von metaphysischer Vorgegebenheit, sondern von Verfügbarkeit im Rahmen einer jeweiligen (durch eine Beschreibungsthematik und einen Beschreibungsapparat charakterisierten) Beschreibungspraxis; die SUBSTANZ ist kein vorgegebenes Fundament, sondern die formale Totalität (die "Möglichkeit") von jeweiligen GEGENSTÄNDEN, deren („formal-hypothetische") Annahme als Bedingung der Möglichkeit eines jeweiligen Sprachsystems sich im sinnvollen Gebrauch (in der Entformalisierung) des Systems selbst (autark) rechtfertigt. Hier ist nichts am Sprachkonzept des TLP zu beanstanden.

🤖 ChatGPT-Analyse 28.09.2026 20:54

Die Autorin/der Autor rekonstruiert TLP-Philosophie als Klärung der Sinnmöglichkeiten durch Zeigen, nicht Sagen, und stellt die Frage, ob eine „utopische“ Überflüssigkeit der Philosophie nur durch ein fundamentales, allen zugängliches Prinzip zu stützen wäre. Die verbreitete Lesart, dieses Fundament als fixe „SUBSTANZ“ und festen Bestand an GEGENSTÄNDEN (platonischer Ontologismus) zu deuten, wird zurückgewiesen: Sie würde Debatten über Sinnmöglichkeiten und geschichtliche Innovation blockieren. Stattdessen wird Wittgenstein pragmatisch gelesen: Der Gegenstandsbestand ist beschreibungssystemabhängig (diachron/synchron relativ), „Substanz“ bezeichnet die formale Totalität je möglicher Gegenstände; ihre formale Annahme rechtfertigt sich im sinnvollen Gebrauch (Entformalisierung) des Systems selbst. Position: anti-metaphysisch, system- und praxisrelativ, die Tractatus-Semantik als intern-autarkes, nicht ontologisch fundiertes Ordnungsgerüst. Fazit: Am Sprachkonzept des TLP sei unter dieser Lesart nichts zu beanstanden.

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