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Wittgensteins Tractatus und die Selbstbezüglichkeit der Sprache: 1987
82 S. 76

In diesem Kapitel sollen vor allem zwei Thesen ausgebaut werden, erstens: die TLP-"Ontologie" steht im Rahmen der Sinntheorie und zwar in zweifacher Hinsicht, weshalb man von einer zweischichtigen „Ontologie" des TLP sprechen kann: (1) als Begründung der Möglichkeit von Weltbezug und Weltbeschreibung des Satzes durch die Annahme des GEGENSTANDES; es wird sich zeigen, dass der GEGENSTAND des TLP nicht als (vor-)gegebene Entität konzipiert ist, sondern als innerhalb eines Weltbeschreibungssystems verfügbares bzw. sogar mehr oder weniger „frei" wählbares Zweckkonzept für die Bestimmung der Wirklichkeit - und (2) als „Ontologie" im Sinne eines Transfers von sinntheoretischen Begriffen auf die gemäß Ontologie" (1) beschreibbare und d.h. sprachlich erfassbare Welt (z.B.: dem sinnvollen Satz entspricht „ontologisch" der Sachverhalt; dem wahren Satz die Tatsache). Die zweite These bzgl. der TLP-"Ontologie" besteht darin, dass sowohl die „Ontologie" (1) des GEGENSTANDES als auch die „Ontologie" (2) der ontologischen Analoga sinntheoretischer Begriffe auf demselben Prinzip der Priorität des Satzes vor den Satzbestandteilen aufgebaut ist wie die Sinntheorie: die „Ontologie" (1) begründet nämlich die Möglichkeit des Satzes als Weltbezug und Weltbeschreibung, die „Ontologie" (2) ist die Übersetzung der sinntheoretischen Begriffe des Satzes auf die Wirklichkeit.

Die Auffassung, wonach die TLP-"Ontologie" im Zeichen der Sprachlogik konzipiert sei, wird z.B. vertreten von Lorenz: erst durch eine „im wesentlichen von den Thesen des 'logischen Atomismus' unabhängige Interpretation der Abbildtheorie" gelinge es, „davon zu überzeugen, dass eine im Realismus-Idealismus-Gegensatz befangene 'realistische' Deutung der Abbildtheorie die Pointe der Wittgensteinschen Semantik verfehlt. Insbesondere wird es auch dann erst möglich, den sogenannten 'ontologischen' ersten Teil des 'Tractatus' als invariante Darstellung der folgenden 'logischen', im Wesentlichen von Aussagen handelnden Teile zu interpretieren und damit vernünftig zu verstehen." - Ferner bei Wallner: „...die Funktion von Wittgensteins 'Ontologie' - sollte es sich als sinnvoll erweisen, von einer solchen überhaupt zu sprechen - hat nichts von der fraglosen Selbstverständlichkeit, mit welcher ein erklärter oder 'praktischer' Empirist eine solche zu verstehen gewohnt ist. Dieser Anschein von Selbstverständlichkeit aber hinderte bislang vielfach, die Frage nach der Funktion der 'Ontologie' im Traktat radikal zu stellen."

🤖 ChatGPT-Analyse 28.09.2026 10:58

Die Autorin/der Autor entwickelt eine zweischichtige, strikt sinntheoretisch fundierte Lesart der TLP-„Ontologie“: (1) Der GEGENSTAND dient nicht als vorgegebene Entität, sondern als systeminternes, zweckgebundenes Konstrukt zur Ermöglichung von Weltbezug und -beschreibung; (2) „Ontologie“ als Projektion/Transfer sinntheoretischer Kategorien auf die sprachlich erfassbare Welt (Satz ↔ Sachverhalt, wahrer Satz ↔ Tatsache). Beide Schichten beruhen auf dem Prinzip der Priorität des Satzes vor seinen Bestandteilen: Ontologie (1) sichert die Möglichkeit des Satzes, Ontologie (2) übersetzt seine Semantik in Weltkorrelate. Programmtisch schließt sich die Autorin/der Autor Lorenz und Wallner an: Die „ontologischen“ Partien des Tractatus sind als invariante Darstellung der logischen, sprachtheoretischen Analysen zu lesen; realistisch-idealistische Deutungen verfehlen die Pointe. Damit wird Wittgensteins „Ontologie“ entmetaphysicalisiert: Sie ist funktional, sprachlogisch motiviert und rahmenrelativ, nicht ein empirischer Bestandskatalog der Wirklichkeit.

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