Das Medium schafft Wirklichkeit

Ist das Medium der Ort, wo Wirklichkeit gemacht wird – so muss also Reflexion in bezug auf das Medium viel mehr sein. In dieser Meta-Medienkompetenz geht es darum, die Veränderung und die Konfrontation mit ganz fremden Kulturen im globalisierten Horizont bewältigen zu lernen, global erfahrene Werte mit lokal gültigen auf einen Nenner zu bringen, diese im Zeichen jener zu re-lokalisieren durch Meta-Reflexion der vielfältigen Medien als Möglichkeiten von Wirklichkeit. Meta-Medienompetenz profitiert dabei von der Philosophie, der klassischen metareflektierenden Disziplin. Umgekehrt profitiert auch die Philosophie in dieser Situation: Philosophie hat m.E. nur dann die Chance, ihren genuinen Auftrag zu entfalten, wenn sie nicht ein System expliziert und dabei systemstabilisierend bleibt, sondern dem Druck ausgesetzt ist, verschiedene Systeme unter einen Hut zu bringen und dabei Möglichkeiten transversaler Vernunft (Welsch 1996) wahrzunehmen. Sonst bedarf es genau genommen ja keiner Philosophie. Dieser produktive Druck der Globalisierung hat zu einer Weichenstellung geführt: Nicht mehr primär zu begründen ist die Konsistenz dessen, dass in einem System nach einer immanenten Logik so oder so zu schließen und zu handeln ist (das kann auch eine Maschine prüfen), auch geht es nicht mehr allein um die Explikation von Prinzipien, Werten und Orientierungen, die in einem System wirksam sind, – sondern es geht vor allem darum, Möglichkeiten für Anschlüsse von einem System aus zu anderen sowie auch Möglichkeiten der Übertragung vice versa zu finden. Der dabei grundsätzlich nicht hintergehbare Punkt ist selbstverständlich das System, in dem man sich gerade (temporär) befindet: Systeme, die im Blickwinkel dieses Systems fremd sind, sind Bereicherungen, Neuland und vielleicht auch die neue Adresse, der man sich zuwendet.